Der Sozialpreis geht an unsere Klasse 8a!

Der Sozialpreis geht an unsere Klasse 8a!

Die Klasse 8a der Anne-Frank-Schule hat beim diesjährigen Sozialpreis des Werra-Meißner-Kreises den ersten Platz erreicht. Für ihr Inklusionsprojekt „Chancen und Herausforderungen von Inklusion“ erhielt die Klasse die höchste Auszeichnung sowie ein Preisgeld von 1.000 Euro. Vorgeschlagen wurde das Projekt von der ehemaligen Schulleiterin Kerstin Ihde.

Zu Beginn der Veranstaltung eröffnete Schulleiterin Anna Reimann die Preisverleihung an der Anne-Frank-Schule. In ihren einleitenden Worten hob sie den besonderen Charakter des Sozialpreises hervor: Er würdige Menschen, die Verantwortung übernehmen, Solidarität leben und zur Stärkung der Gesellschaft beitragen. Zugleich betonte sie den Leitgedanken des diesjährigen Wettbewerbs – die Prävention von Armut und sozialer Ausgrenzung – und stellte heraus, wie eng dieses Thema mit dem Selbstverständnis der Anne-Frank-Schule verbunden ist. Als „zukunftsorientierte, weltoffene und sozial geprägte Europaschule“ stehe die AFS für Demokratiebildung, Potentialentfaltung und selbstverständlich für gelebte Inklusion. Vielfalt begreife man hier als Stärke und Gemeinschaft als zentrale Aufgabe des schulischen Zusammenlebens.

Im Projekt der 8a stand genau dieser Gedanke im Mittelpunkt: Inklusion nicht nur behandeln, sondern erfahrbar machen. Ausgehend von der Situation ihrer Mitschülerin Lotta, die einen Rollstuhl nutzt, entwickelte die Klasse ein mehrwöchiges Projekt, das Unterricht, Sport und Stadtgesellschaft miteinander verband. Die Schülerinnen und Schüler probierten verschiedene Rollstuhlsportarten aus, reflektierten Barrieren und Teilhabe im GL-Unterricht und beschäftigten sich mit Alltagssituationen, in denen Mobilität eingeschränkt ist.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil war ein Gespräch mit Bürgermeister Alexander Heppe, in dem die Klasse sich mit Fragen der Barrierefreiheit in Eschwege sowie mit Inklusion im städtischen Alltag auseinandersetzte. Darüber hinaus organisierte die 8a einen Kuchenverkauf in der Innenstadt, mit dessen Erlös ein Blindenfußballset angeschafft wird. Dieses Set soll künftig weiteren Klassen der AFS ermöglichen, über einen praktischen Zugang zu neuen Perspektiven zu gelangen. Unterstützt wurde das Projekt durch Strahmer & Stahlberg / AktivPro, die der Klasse die Rollstühle für den Sportunterricht zur Verfügung stellten. Ein besonderer Dank gilt außerdem dem Medienwerk, das die gesamte Projektphase begleitete und daraus einen eindrucksvollen Film produzierte. Die Dokumentation zeigt eindrucksvoll, wie engagiert, reflektiert und verantwortungsvoll die Schülerinnen und Schüler gearbeitet haben.

Im Rahmen der Preisverleihung würdigte Landrätin Nicole Rathgeber die Klasse 8a ausdrücklich. Sie hob hervor, wie überzeugend die Jugendlichen das Thema Inklusion aufgenommen und mit welcher Klarheit und Ernsthaftigkeit sie eigene Erfahrungen einbezogen haben. Der erste Platz sei ein starkes Signal für die Bedeutung gemeinsamer Lernprozesse und für das Bewusstsein junger Menschen für gesellschaftliche Verantwortung. Betreut wurde das Projekt von Melanie Salewski, Klassen- und GL-Lehrerin, sowie Katharina Theophel, Sport- und Deutschlehrerin. Beide unterstützten die Klasse in der Umsetzung der verschiedenen Projektbausteine und unterstützten den Prozess über alle Phasen hinweg.

Mit dem Gewinn des ersten Platzes setzt die 8a ein sichtbares Zeichen dafür, wie gelebte Inklusion an der Anne-Frank-Schule aussehen kann. Das Projekt macht deutlich, dass Schule ein Ort ist, an dem Verantwortung, Miteinander und Haltung wachsen – und an dem Schülerinnen und Schüler selbst zu Gestaltern einer solidarischen Gemeinschaft werden.

Besuch aus Budaörs

Besuch aus Budaörs

Vielfältig, offen, europäisch – so arbeitet die Anne-Frank-Schule als Europaschule seit vielen Jahren. Dass dieses Profil im Alltag sichtbar wird, zeigte auch der jüngste Besuch aus Budaörs: Eine ungarische Gruppe aus Schülerinnen und Schülern war mehrere Tage zu Gast und erlebte ein bewusst alltagsnahes und schülerorientiertes Programm. Unter der Überschrift „Zwischen Thüringen und Hessen unterwegs“ führte es die Gäste an verschiedene Lernorte, in Unterrichtssituationen und mitten hinein ins Schulleben der Eschweger Lernenden.

Es nahmen Kinder und Jugendliche der Jahrgangsstufen 6 bis 8 teil, gerade für diese Altersgruppe bot der Austausch besondere Chancen. Viele Gespräche liefen auf Englisch, was nicht nur die Verständigung erleichterte, sondern auch das Selbstvertrauen stärkte. Von Beginn an lag der Schwerpunkt darauf, Begegnung nicht künstlich zu gestalten, sondern sie entstehen zu lassen. Die Gäste mischten sich in den Unterricht, lernten ihre Austauschpartnerinnen und Austauschpartner sowie deren Freunde kennen und stellten ihre Schule in Budaörs in einer lebendigen Präsentation vor. Kleine Anekdoten, Fotos und Eindrücke aus ihrem Schulalltag führten zu vielen spontanen Gesprächen und Vergleichen.

Der Austausch selbst blickt inzwischen auf eine rund zwanzigjährige Tradition zurück. Auf Initiative von Monika Ruppert-Marquardt wurde die Partnerschaft einst ins Leben gerufen. Seither sind die Anne-Frank-Schule und die Jakob Bleyer Deutsche Nationalitätengrundschule Budaörs eng miteinander verbunden, getragen von vielen Begegnungen, persönlichen Kontakten und gewachsenen Beziehungen.Auch die gemeinsamen Aktivitäten außerhalb des Unterrichts spielten eine wichtige Rolle. Beim Bowling, in den Gastfamilien oder unterwegs während der Ausflüge entstanden Gespräche aus dem Moment heraus: über Schule, Familie, Musik, Interessen und das, was beide Gruppen gerade beschäftigt. Schnell zeigte sich, wie leicht sich Verbindungen herstellen lassen und wie selbstverständlich Gemeinsamkeiten entstehen.

Das Exkursionsprogramm war abwechslungsreich und gut verzahnt: Die Stadtrallye durch Eschwege, der Besuch des Bergparks Wilhelmshöhe und der Wartburg, die Führung durch Erfurt oder der gemeinsame Ausflug zum Grenzmuseum Schifflersgrund boten unterschiedliche Perspektiven auf Geschichte, Kultur und regionale Besonderheiten. Gerade am Schifflersgrund wurde deutlich, wie eng europäische Entwicklungen mit lokalen Erinnerungsorten verknüpft sind – ein Thema, das im Profil einer Europaschule eine besondere Rolle spielt.

Ein wesentlicher Baustein des Austauschs waren die Gastfamilien. Sie nahmen die ungarischen Schülerinnen und Schüler bei sich auf und ermöglichten Begegnungen, die sich jenseits des offiziellen Programms entwickelten. Viele Gäste betonten, wie sehr sie diese persönliche Seite des Austauschs geprägt hat. Organisiert und begleitet wurde die Begegnung von den Lehrerinnen Antje Fiege und Heike Schwanz, die aufbauend auf den langjährig bewährten Bausteinen von Monika Ruppert-Marquardt das Programm gemeinsam gestalteten und die Jugendlichen während der gesamten Zeit unterstützten. „Man konnte von Tag zu Tag beobachten, wie die Gruppen zunehmend sicher und selbstverständlich miteinander umgingen“, sagten die beiden mit Blick auf die gelungene Begegnung.

Im kommenden Frühjahr reist die Eschweger Gruppe zum Gegenbesuch nach Ungarn. Die Vorfreude ist groß, nicht zuletzt wegen der entstandenen Verbundenheit. Der Austausch mit Budaörs zeigt erneut, wie die Anne-Frank-Schule ihr Europaschulprofil versteht: als gelebtes Miteinander, das jungen Menschen echte Begegnungen ermöglicht und Europa im Schulalltag erfahrbar macht.

Mitten in Wisconsin, mitten im Leben

Mitten in Wisconsin, mitten im Leben

In einer Zeit, in der die Welt zunehmend von Spannungen und schnellen Urteilen geprägt ist, gewinnen echte Begegnungen an Bedeutung. Für zwölf Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Schule in Eschwege und Wanfried aus den Jahrgangsstufen 9 und 10 wurde diese Erfahrung jetzt ganz konkret: Zwei Wochen lang waren sie zu Gast an der Edgerton High School im US-Bundesstaat Wisconsin, dem Partnerstaat Hessens. Der Austausch führt junge Menschen aus beiden Ländern bereits seit über dreißig Jahren regelmäßig zusammen – und zeigt gerade heute, wie wichtig Offenheit und gegenseitiges Verständnis für das interkulturelle Lernen sind.

Beim gemeinsamen Potluck Dinner im Haus von Erin und Theran Springstead, die den Austausch auf amerikanischer Seite seit vielen Jahren mit großem Engagement betreuen, kamen alle Beteiligten erstmals zusammen. Jede Familie hatte etwas zum gemeinsamen Buffet beigesteuert – typisch amerikanisch, herzlich und ungezwungen. Schon an diesem Abend wurde viel gelacht, erzählt und verglichen: Schulalltag, Lieblingsgerichte, Freizeitgewohnheiten – und das Eis war schnell gebrochen.

Edgerton, eine Kleinstadt mit rund 5.000 Einwohnern im Süden Wisconsins, bot den deutschen Jugendlichen einen authentischen Einblick in das amerikanische Alltagsleben. Gemeinsam mit ihren Austauschpartnern besuchten sie die Edgerton High School, nahmen am Unterricht teil, begleiteten Sportveranstaltungen und erlebten, wie eng dort Lernen, Gemeinschaft und Freizeit miteinander verbunden sind. Die Schule mit ihrem starken Sportprofil ist für viele Familien das Herz der Stadt: ein Ort, an dem sich Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Lehrkräfte auch über den Unterricht hinaus begegnen.
An der High School, ebenso wie an der Middle und Elementary School, zeigten die deutschen Gäste, wie sicher sie sich auf Englisch ausdrücken können. Sie hielten sorgfältig vorbereitete Vorträge über Deutschland, den Werra-Meißner-Kreis, Eschwege und Wanfried, erklärten jüngeren Kindern spielerisch deutsche Wörter und gaben Einblicke in ihren Alltag – souverän, sympathisch und mit spürbarer Begeisterung. „Am Anfang war das schon eine Herausforderung“, erzählt Lina, „aber wir haben gemerkt, dass wir das wirklich können und wie gut es sich anfühlt, verstanden zu werden.“
Neben dem Unterricht unternahmen die Schülerinnen und Schüler Ausflüge in die Hauptstadt Madison, wanderten am idyllischen Devil’s Lake und besuchten die Stadt Milwaukee, wo sie Museen und kulturelle Einrichtungen erkundeten. So bekamen sie ein Gespür dafür, wie eng in Wisconsin und der Nachbarregion Natur, Geschichte und Gemeinschaft miteinander verbunden sind.
Dass der Aufenthalt in die Halloweenzeit fiel, machte ihn noch einmal besonders. Gemeinsam mit ihren Gastfamilien besuchten die Jugendlichen einen Pumpkin Patch, schnitzten Kürbisse, schmückten Häuser und erlebten den amerikanischen Herbst in seiner ganzen Vielfalt, von Footballspielen bis hin zu fröhlich-gruseligen Abenden in der Nachbarschaft.
Zum Abschluss führte die Reise nach Chicago, in die „Windy City“ am Lake Michigan. Zwischen Hochhäusern, Lichtern und der glänzenden Skulptur The Bean im Millennium Park verbrachten die Schülerinnen und Schüler ihre letzten Tage in den USA – ein eindrucksvolles Finale nach zwei intensiven Wochen.
Begleitet wurde die Gruppe von den Englischlehrkräften Claudia Gorges und Christian Becker, die die Jugendlichen während des gesamten Aufenthalts unterstützten. Sie zeigten sich beeindruckt davon, wie sicher und selbstbewusst ihre Schüler aufgetreten sind. „Sie haben mutig kommuniziert, Verantwortung übernommen und sich in einer neuen Kultur sehr gut zurechtgefunden“, sagten sie. Der Austausch habe erneut gezeigt, dass Begegnungen über Ländergrenzen hinweg Verständnis schaffen und junge Menschen nachhaltig prägen.
Der Abschied in Edgerton fiel entsprechend schwer. Viele Freundschaften sind entstanden, und der Kontakt bleibt lebendig – über Nachrichten, kleine Überraschungen und die Vorfreude auf ein Wiedersehen. Im Frühjahr werden die Jugendlichen aus Edgerton nämlich zum Gegenbesuch nach Eschwege und Wanfried kommen. Dann sind die deutschen Schülerinnen und Schüler Gastgeber und können zeigen, wie sehr an der Anne-Frank-Schule Offenheit, Zusammenhalt und gegenseitige Wertschätzung gelebt werden.
Für die Anne-Frank-Schule, die als Europaschule internationale Begegnungen fest im Schulprofil verankert hat, bleibt dieser Austausch ein besonderes Projekt. Dass eine Schule im Werra-Meißner-Kreis ihren Jugendlichen solche Erfahrungen ermöglicht, ist nicht selbstverständlich und gerade jetzt ein starkes Zeichen dafür, dass Verständigung über Grenzen hinweg sich immer lohnt.
Spuren der Freundschaft

Spuren der Freundschaft

Freundschaft als Zeichen des Erinnerns: Wie bedeutsam Erinnerungen sein können, zeigte unsere Schülerin Mara Dierks aus der Jahrgangsstufe 10 bei der Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht von 1938 in der ehemaligen Eschweger Synagoge, die heute die Neuapostolische Kirche beherbergt. Gemeinsam mit Anna-Maria Zimmer, profunder Kennerin der jüdischen Geschichte Eschweges, richtete sie den Blick auf den Aspekt der Freundschaft – passend zum Motto der diesjährigen Nacht der Kultur.

Beide erinnerten an Freundschaften und Liebesbeziehungen, die durch die nationalsozialistische Ideologie zerstört wurden, an Kinder, die ihre Freunde verloren, und an Lehrkräfte, die von Propaganda beeinflusst das Unrecht duldeten oder mittrugen. Mit dem Fortschreiten der Diktatur wurde die Ausgrenzung immer stärker, bis jüdische Kinder schließlich auch die Schulen verlassen mussten.

Und doch gab es Menschen, die halfen – heimlich, leise, oft mit großem Mut. Sie bewahrten Gegenstände und Erinnerungen jüdischer Familien, hielten Kontakt und zeigten stille Solidarität, auch über die Zeit des Nationalsozialismus hinaus.

Begrüßt wurden die Gäste von Matthias Beck für die Neuapostolische Kirche. Lutz Fussangel begleitete den Abend mit Klezmermusik.
Der Verein der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens in der Region Werra-Meißner ermöglichte mit Virtual-Reality-Brillen einen Blick in den früheren Innenraum der Synagoge – ein Moment, der zeigte, dass Erinnerungen Zukunft brauchen.

Erinnern für die Zukunft

Erinnern für die Zukunft

Die Wiederkehr der Pogromnacht, die sich in Eschwege bereits am 8. November 1938 ereignete, ist für die Anne-Frank-Schule Anlass, an die Opfer nationalsozialistischer Gewalt zu erinnern. Daher pflegten Schülerinnen und Schüler der Klasse 9d gemeinsam mit Rektorin Daniela Rosenbaum und Lehrerin Eva Gehring jetzt mehrere Stolpersteine in der Innenstadt. Mit dieser Aktion im Rahmen der übernommenen Patenschaft bekräftigt die Courage-Schule und Europaschule ihr dauerhaftes Engagement für eine lebendige Erinnerungskultur – im Bewusstsein, dass Geschichte Verantwortung bedeutet.

An den Standorten Klosterstraße 20, Brauhaus 2 und Hospitalplatz 6 gedachten die Jugendlichen Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus entrechtet, verfolgt und ermordet wurden. Die meisten Opfer waren jüdische Bürger, die einst fest in der Eschweger Stadtgemeinschaft verwurzelt waren. Doch auch Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen, die in der Ideologie der Nationalsozialisten als „lebensunwert“ galten, gehören zu den Opfern, an die die Stolpersteine erinnern.

Gereinigt wurden unter anderem die Steine von Hermann Reiss, der 1941 im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ in Hadamar ermordet wurde, sowie der Familie Habler, die nach Riga deportiert wurde, und der Familie Kahn, die nach Theresienstadt verschleppt wurde – alle wurden Opfer der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik.

Am 8. November wurde in der ehemaligen Synagoge auf dem Schulberg zudem an die Opfer der Pogromnacht erinnert. Die Gedenkfeier fand in Kooperation mit dem Verein der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens in der Region Werra-Meißner statt. Auch die Anne-Frank-Schule war dort vertreten: Mara Dierks aus der zehnten Klasse erinnerte im Rahmen der Veranstaltung an das Schicksal der Opfer

Erinnerung lebt durch Haltung – im Wissen um die Vergangenheit und in Verantwortung für die Zukunft.