Vielfältig, offen, europäisch – so arbeitet die Anne-Frank-Schule als Europaschule seit vielen Jahren. Dass dieses Profil im Alltag sichtbar wird, zeigte auch der jüngste Besuch aus Budaörs: Eine ungarische Gruppe aus Schülerinnen und Schülern war mehrere Tage zu Gast und erlebte ein bewusst alltagsnahes und schülerorientiertes Programm. Unter der Überschrift „Zwischen Thüringen und Hessen unterwegs“ führte es die Gäste an verschiedene Lernorte, in Unterrichtssituationen und mitten hinein ins Schulleben der Eschweger Lernenden.
Es nahmen Kinder und Jugendliche der Jahrgangsstufen 6 bis 8 teil, gerade für diese Altersgruppe bot der Austausch besondere Chancen. Viele Gespräche liefen auf Englisch, was nicht nur die Verständigung erleichterte, sondern auch das Selbstvertrauen stärkte. Von Beginn an lag der Schwerpunkt darauf, Begegnung nicht künstlich zu gestalten, sondern sie entstehen zu lassen. Die Gäste mischten sich in den Unterricht, lernten ihre Austauschpartnerinnen und Austauschpartner sowie deren Freunde kennen und stellten ihre Schule in Budaörs in einer lebendigen Präsentation vor. Kleine Anekdoten, Fotos und Eindrücke aus ihrem Schulalltag führten zu vielen spontanen Gesprächen und Vergleichen.
Der Austausch selbst blickt inzwischen auf eine rund zwanzigjährige Tradition zurück. Auf Initiative von Monika Ruppert-Marquardt wurde die Partnerschaft einst ins Leben gerufen. Seither sind die Anne-Frank-Schule und die Jakob Bleyer Deutsche Nationalitätengrundschule Budaörs eng miteinander verbunden, getragen von vielen Begegnungen, persönlichen Kontakten und gewachsenen Beziehungen.Auch die gemeinsamen Aktivitäten außerhalb des Unterrichts spielten eine wichtige Rolle. Beim Bowling, in den Gastfamilien oder unterwegs während der Ausflüge entstanden Gespräche aus dem Moment heraus: über Schule, Familie, Musik, Interessen und das, was beide Gruppen gerade beschäftigt. Schnell zeigte sich, wie leicht sich Verbindungen herstellen lassen und wie selbstverständlich Gemeinsamkeiten entstehen.
Das Exkursionsprogramm war abwechslungsreich und gut verzahnt: Die Stadtrallye durch Eschwege, der Besuch des Bergparks Wilhelmshöhe und der Wartburg, die Führung durch Erfurt oder der gemeinsame Ausflug zum Grenzmuseum Schifflersgrund boten unterschiedliche Perspektiven auf Geschichte, Kultur und regionale Besonderheiten. Gerade am Schifflersgrund wurde deutlich, wie eng europäische Entwicklungen mit lokalen Erinnerungsorten verknüpft sind – ein Thema, das im Profil einer Europaschule eine besondere Rolle spielt.
Ein wesentlicher Baustein des Austauschs waren die Gastfamilien. Sie nahmen die ungarischen Schülerinnen und Schüler bei sich auf und ermöglichten Begegnungen, die sich jenseits des offiziellen Programms entwickelten. Viele Gäste betonten, wie sehr sie diese persönliche Seite des Austauschs geprägt hat. Organisiert und begleitet wurde die Begegnung von den Lehrerinnen Antje Fiege und Heike Schwanz, die aufbauend auf den langjährig bewährten Bausteinen von Monika Ruppert-Marquardt das Programm gemeinsam gestalteten und die Jugendlichen während der gesamten Zeit unterstützten. „Man konnte von Tag zu Tag beobachten, wie die Gruppen zunehmend sicher und selbstverständlich miteinander umgingen“, sagten die beiden mit Blick auf die gelungene Begegnung.
Im kommenden Frühjahr reist die Eschweger Gruppe zum Gegenbesuch nach Ungarn. Die Vorfreude ist groß, nicht zuletzt wegen der entstandenen Verbundenheit. Der Austausch mit Budaörs zeigt erneut, wie die Anne-Frank-Schule ihr Europaschulprofil versteht: als gelebtes Miteinander, das jungen Menschen echte Begegnungen ermöglicht und Europa im Schulalltag erfahrbar macht.